Die mündliche Überlieferung

Der mündlichen Überlieferung nach könnte die Schlacht damals wie im Schaubild dargestellt abgelaufen sein:

Ob der tödliche Schuss tatsächlich durch Muhly abgefeuert wurde kann nicht eindeutig belegt werden. Auch die Entfernung über die der Schuss gefallen sein soll wirft Fragen auf, schon allein darum weil die Schussgenauigkeit der damals eingesetzten Schusswaffen nicht mit heutigen Waffen zu vergleichen ist. Den Schriften zufolge wurde Breda am Schlachtfeld nicht getötet, sondern tödlich verwundet nach Ziegenhain gebracht.

 

Die Geschichte der Schlacht

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Schwalm von den kaiserlichen Truppen mehrfach heimgesucht und gebrandschatzt. Der Krieg dauerte von 1618 bis 1648 an und stellte alles an Brutalität, Dauer und Leid der Zivilbevölkerung bis zu diesem Zeitpunkt Dagewesene in den Schatten. Eines der bedeutendsten geschichtlichen Ereignisse der Riebelsdorfer Gemarkung spielte sich bei der Schlacht am Riebelsdorfer Berg am 15. November 1640 ab. Der exakte Verlauf des Gefechts wird in verschiedenen Quellen kontrovers dargestellt. Der im Folgenden erläuterte Verlauf der Schlacht stellt die Ereignisse auf Basis von Riebelsdorfer Kirchenbüchern und den Überlieferungen der Schlachtordnung dar und geht auf aktuelle Forschungen von Georg Blumenauer zurück.

Die Karte in Abbildung 1 zeigt die Schlachtaufstellung von 1640. Gegenüber stehen sich die kriegführenden kaiserlichen Truppen, angeführt von General-Feldmarschall Johann Ludolf von Breda (in vielen Überlieferungen auch von Bredow genannt) und die Weimarschen Truppen, angeführt von Reiteroberst Reinhold von Rosen. Die Kaiserlichen Truppen mit ca. 3.000 Reitern zogen von Kirchhain über Alsfeld kommend nach Neukirchen, während die Truppen unter von Rosen mit ca. 1.200 Reitern von Friedberg kommend nach Ziegenhain zogen. Unterstützt wurden sie durch die Ziegenhainer Bürgerwehr, unter denen sich auch der Hauptmann Valentin (niederdeutsch auch Velten) Muhly befand. Dieser war zum Zeitpunkt der Schlacht bereits 76 Jahre alt. Abbildung 1 zeigt die Truppen von Feldmarschall von Breda oben links in Riebelsdorf stationiert. Hier soll von Breda im Haus von Familie Mai in der Ziegenhainerstraße übernachtet haben. Die gegnerischen Truppen finden sich unten rechts auf der Karte in Ziegenhain. Das Gefecht der beiden Kontrahenten erstreckte sich von Obergrenzebach bis Riebelsdorf und Rückershausen. Insgesamt nahmen mehr als 4000 Reiter Aufstellung um gegeneinander anzutreten. Bereits im Vorfeld des Gefechts brannten die Kaiserlichen die bisher noch verschonten Dörfer Salmshausen, Zella, Ransbach, Loshausen und Leimbach ab. Sie erhofften sich damit, ihre Gegner vom Nachschub abzuschneiden.

Beide Seiten hatten derweil Unterstützung ihrer Truppen angefordert. Während die Truppen von Oberst Reinhold von Rosen bereits von 800 Kürassieren unter Oberst Müller verstärkt wurden, wartete von Breda vergeblich auf die Hilfe von Generalwachtmeister Kaspar Mercy mit seinen ca. 3.500 Mann. Diese trafen erst nach dem Ende der schicksalhaften Schlacht am 15. November 1640 ein.

Die Zeichen standen gut für einen Sieg der kaiserlichen Truppen, angeführt von Feldmarschall von Breda. Der Feldmarschall hatte bereits die umliegenden Dörfer verwüstet und war sich seiner zahlenmäßigen Übermacht gewiss. Vermutlich ist es diesem Umstand zuzuschreiben, dass er nur eine Wache von 300 Reitern an der Furt über die Steina positionierte. Die Wege über die Daubenmühle und Loshausen ließ er möglicherweise kaum beobachten. Eine Rückzugsstrategie über die Grenf bezog er nicht in seine taktische Planung mit ein. Von Rosen rückte bereits am Abend des 14. November bis auf fünfzehn Minuten Entfernung an die Stellungen der kaiserlichen Truppen vor. Oberst Müller ritt währenddessen mit seinen schweren Reitern durch das Steinatal und den Riebelsdorfer Wald um den Kaiserlichen in den Rücken zu fallen. Am Morgen des 15. November 1640 überraschten von Rosen und Müller die Kaiserlichen und es entbrannten heftige Kämpfe. Breda wurde während der Schlacht tödlich verwundet und starb anschließend in der Ziegenhainer Festung. Der Überlieferung nach war es der Ziegenhainer Hauptmann Valentin Muhly der den entscheidenden Schuss auf eine Entfernung von über 250m abfeuerte. Dies lässt sich mit den uns bekannten Quellen jedoch nicht eindeutig belegen. Durch den Bericht des Neukirchener Pfarrer Schönfeld i jedoch belegt, dass Breda von einem gemeinen Reiter angeschossen und anschließend auf dessen Pferd gezogen wurde. Als Reaktion auf diese Geschehnisse wanden sich die kaiserlichen Truppen, nun ohne Führung, ab und flohen in Richtung Grenf. Viele der Soldaten blieben in den Sumpfwiesen (heute Wiech) stecken oder konnten sich bei dem zur Verstärkung herbeigeeilten Generalwachtmeister Mercy in Sicherheit bringen.

Mit dem Gefecht endete einer der schlimmsten Überfälle kaiserlicher Truppen in Hessen. Doch die Dörfer lagen in Schutt und Asche, die Felder waren verwüstet und etliche Bauern von marodierenden Truppen getötet.

Seit 1843 erinnern zwei Denkmäler an die historische Schlacht am Riebelsdorfer Berg, die von der Stadt Ziegenhain in Auftrag gegeben wurden. Die Denkmäler wurden entlang der Ziegenhainerstraße aufgestellt und kennzeichnen den vermuteten Standpunkt des Bürgerschützen Valentin Muhly sowie den des Feldmarschalls von Breda. Es heißt Muhly habe den Feldmarschall mit seiner Muskete über eine Entfernung von 250m getroffen, was auch die Entfernung der beiden Denkmäler voneinander erklärt. Der Standpunkt des Bürgerschützen Muhly wird durch eine dorische Säule, zu sehen in Abbildung 2, gekennzeichnet wohingegen der des gefallenen Feldmarschall von Breda durch einen Obelisken, wie in Abbildung 3 dargestellt wird.

Zum 750jährigen Dorfjubiläum wurden die Denkmäler von Breda und Muhly in aufwändiger Kleinstarbeit und Originalgröße aus Holz nachgestellt. Auf diese Weise können die Säulen auch bei der nachgestellten Schlacht am Fest die Standorte der beiden Kontrahenten markieren. Mit der Herstellung der Holzdenkmäler wurde Jürgen Schulz betraut.

Abbildung 1 - Schlachtaufstellung

Abbildung 2 - Muhly Denkmal

Abbildung 3: Breda-Denkmal